26. Oktober 2010 - Der Mensch an meiner Seite

 

" [ ... ] Mein Leben lief so ziemlich den Bach hinunter. Ich versagte in komplett allem, was ich versuchte zu verbessern. Die Schule brachte mir niederschmetternde Noten. Darauf folgten die unzähligen, rechthaberischen Sprüche meiner Eltern. Ja, ich weiß, dass ich mir mein Abitur versaue. Ja, ich weiß, dass ich eigentlich besser mein Leben damit verbringen sollte, meine Nase in Bücher zu stecken, als draussen in Cocktailbars und Clubs zu sitzen, aber die Welt da draussen, war zu dem Zeitpunkt einfach viel spannender, als ein ödes Buch mit zu vielen Zeichen und altdeutschen Wörtern. Zu guter letzt brach mein Freund mir das Herz. Als hätte ich nicht schon lange mit dem Gedanken gespielt, so bestätigte sich also mein Verdacht, dass er sich in eine Andere verliebt hatte. Eine schlanke, große, erfolgreiche hübsche Frau, die viel erfahrener, viel reifer war als ich.

Ich befand mich also in einem Gefühlschaos. Gefühlskatastrophe.
Es gab keinen Ort an den ich mehr gehen konnte. Es gab niemanden mehr - so schien es für mich - an den ich mich wenden konnte. - Vorerst.

[ .. ] Weißt du Dylan, ich habe früher so oft gedacht: "Wie schön wäre es einen besten Freund zu haben." Und jetzt habe ich Dich; und ich weiß nicht, wie du es geschafft hast mir all diese Lebensfreude wiederzugeben und mich auf den Boden der Tatsachen so aufprallen zu lassen, dass ich begreife, dass ich etwas tun muss, damit etwas in meinem Leben passiert, aber ich bin froh, dass du es gemacht hast. Und ich danke dir für deine Mühe. Du bist ein toller Mensch. [ .. ]

Und alles was er antwortete, als er in diesem sterilen, hässlichen weißem Bett lag war: "Ich habe getan, was in meiner Macht stand. Meine Arbeit ist getan. Du bist ein wundervolles Mädchen, vergiss das nicht."

Danach schloss er die Augen und ich war wieder alleine.
Doch diesmal gab ich nicht auf. Ich stand auf, ging in den Alltag zurück und holte das nach,
was ich vernachlässigt hatte. Und Dylan wird mir immer mit seinem Fuß in meinen Arsch treten,
auch wenn er nicht mehr so lebendig wie damals an meiner Seite sein kann.
Das weiß ich ganz genau.